Kopf des Monats

Kdm

«Bei der institutionellen Vermögensverwaltung gilt ‹Manage local, invest global› als Devise.»

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Andrea Quapp
Head GAM Investment Solutions Continental Europe

Andrea Quapp ist Investment Director und Head GAM Investment Solutions Continental Europe. Sie ist seit über 30 Jahren als Portfoliomanagerin im Asset Management tätig, davon bald 20 Jahre für GAM Investments, ein aktiver Asset Manager, hervorgegangen aus dem Julius Bär Asset Management. Zuvor war Andrea Quapp für das UBS Asset Management aktiv.

 

Andrea Quapp, was ist Erfolg für Sie?

Glückliche und zufriedene Kunden, die uns als Vermögensverwalter gewählt haben. Es sind Kunden, die es schätzen, dass wir ihre Bedürfnisse erfolgreich erfüllen und Rahmen­bedingungen zielgerecht umsetzen sowie sie aktiv mit Rat und Vorschlägen begleiten. Eine Grundbedingung ist natürlich der Leistungsausweis, also die Performance. Eine Grund­voraussetzung für eine gute Performance ist Teamarbeit, bei der alle tatkräftig mitwirken und sich leidenschaftlich einsetzen. Und bei allem Ernst: auch Humor und Spass beim Erzielen von Leistung sind nicht zu unterschätzende Komponenten für Erfolg. Ich denke, dieser Mix gelingt in meiner Umgebung gut und lässt mich jeden Tag gerne an den Zielen arbeiten.

Was treibt Sie an?

Ich frage mich, was wie vernetzt ist, wie sich Geschehnisse beeinflussen, welche Folgen dies für die Gesellschaft, die Wirtschaft und auch des Öfteren für die Natur hat. Wie kann unser Handeln im Jetzt einen Einfluss haben? Und auf was? Spannend ist für mich, diese Fragen mit Blick auf die Kapitalmarktentwicklung zu beantworten. Dann kommt mein Antrieb als Investment Managerin ins Spiel, denn ich möchte wettbewerbsfähige Vermögensallokation kreieren, die unter allen relevanten Faktoren – immer mehr auch unter ESG-Aspekten – eine überdurchschnittliche Performance erbringt. Dabei habe ich einen persönlichen Kompass. Integrität, Ehrlichkeit und Vertrauen sind hohe Werte, die mich zusätzlich antreiben.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spass, was am wenigsten?

Am meisten gefällt mir, mit dem Unvorhersehbaren umzugehen. Das erfordert Sportsgeist und Wettbewerbsdenken; dies das empfinde ich als pure Motivation. Ebenso das Zusammen­arbeiten mit Kolleginnen und Kollegen, um möglichst optimale Lösungen für unsere Kunden zu finden. Dafür braucht es Wachsamkeit und ein grosses Interesse am Weltgeschehen. Nicht nur Daten sind die Basis, sondern auch jegliche Form von Informationen. Wer regiert, wer hat Einfluss, und was kann das für die Kapitalmärkte bedeuten? Gibt es Innovationen und welche Bedeutung haben sie für die Wirtschaft und Gesellschaft?

Welche Probleme sollten Politik und Behörden rasch angehen?

Die Politik sollte durch eine freiheitlich demokratische Grundordnung die gesellschaftliche Spaltung und die momentanen Verwerfungen aufhalten. Von den Behörden wünsche ich mir, dass sie bei allen Vorschlägen zu Gesetzen und/oder Verordnungen den gesunden Menschenverstand einer freien Marktordnung einfliessen lassen. Dogmatismus ist der Tod jeglicher Entwicklung.

Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

Grundsätzlich im Sport. Wöchentliche Mountain-Bike-Touren mit Freunden, aber auch jährliche, mehrwöchige Motorradreisen – auch schon mal bis zum Nordkap und zurück – zeigen mir immer wieder auf, dass ein gesundes Leben ein grossartiges Geschenk ist und die Lebensweisen in anderen Kulturen bereichernd sind für die eigene Einordnung.

Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management, also Ihrem jüngeren Selbst empfehlen?

Definiere Ziele, verfolge diese mit Mut und Engagement, betrachte Marktschwankungen als Opportunität. Bleibe offen für konträre Meinungen, nimm‘ nichts als gegeben hin, aber bleibe demütig vor Deinem eigenen, begrenzten Wissen. Aber vor allem vergiss nie: der Kapitalmarkt hat immer Recht! Früher oder später wirst Du das erfahren. Und ich wünsche jedem Einsteiger und jeder Einsteigerin – von diesen gibt es nach wie vor zu wenig –, dass sie ein Umfeld vorfinden, wie ich es vorfand, in dem ich mich entwickeln und entfalten konnte.

Wie heisst Ihr liebstes Reiseziel?

Ngorongoro National Park in Tanzania. Wer den Kinofilm «Jurassic Park» kennt, der wird meinen, dort spielt er. Unglaublich! Wunderschön!

Bestes Anti-Depressivum?

Da ich eigentlich diese belastende Gefühlslage nicht kenne, kann ich auch nicht auf ein optimales Mittel dagegen verweisen. Aber ja, es gibt schon Tage, da möchte ich keine Bäume ausreissen. Dann hilft immer ein Treffen mit Freunden, entspannte Gespräche über Gott und die Welt.

Was machen Sie während einer Kurzreise?

Eine «Kurzreise» mache ich fast täglich, in meinen eigenen Garten! Er ist für mich eine Oase der Entspannung. Zur Entspannung zählt selbstverständlich auch das Werkeln dort; jede passionierte Hobby-Gärtnerin wird dies bestätigen. Auch hier ist der Weg das Ziel. Pflanzen wachsen und gedeihen, verändern sich mit den Jahreszeiten: es gibt also immer etwas zu entdecken. Die Lebewesen, die meinen Garten besuchen, sind interessant zu beobachten – seien es Vögel, des Nachbars Katze oder die Varianten der Schnecken. Hier gilt es eindeutig zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Wenn nachts ein Fuchs ins Wohnzimmerfenster reinschaut, dann erdet das. Einen Garten inklusive Wildhecken zu hegen und zu pflegen ist für mich genauso Passion wie Kapitalmärkte zu beobachten und zu analysieren.

Wenn Sie ein Land aussuchen dürften: wo würden Sie am liebsten leben und wieso?

Am liebsten lebe ich zurzeit im idyllischen Zürcher Weinland. Nah‘ an Zürich, weit weg von Hektik. Riegelbauten kontra moderne Architektur mit vielen Glasverbauungen. Dieser Kontrast ist wunderbar. Aber auch auf Hawaii, Big Island, zu leben hätte irgendwann seinen Reiz – am liebsten in der Nähe des National Volcano Park. Auch dort faszinieren mich die Natur und deren Variationen. Schwarzer Sandstrand wie auf Lanzarote, Vulkane wie auf Island, blaues Meer wie vor Capri…