Kopf des Monats

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«Nachhaltig auf Kundenbedürfnisse in einem spezialisierten Anlagebereich eingehen.»

Foto Nils Ossenbrink Kd M Dez 2020

Nils Ossenbrink
Leiter Products & Distribution bei der Twelve Capital AG

Nils Ossenbrink ist verantwortlich für Produkte & Distribution bei Twelve Capital, einem auf den Versicherungssektor spezialisierten Asset Manager. Von den Standorten Zürich, London und München werden primär institutionelle Kunden betreut und ein Vermögen von rund 4 Mrd. CHF in allen Anlageklassen des Sektors verwaltet. Vor seinem Eintritt in das Unternehmen war Nils Ossenbrink Deputy Head Investment Solutions der EFG Bank sowie langjährig für die Bank Sarasin & Cie AG tätig. Als Head Product and Services war er unter anderem für die Entwicklung des Fondsgeschäfts der Sarasin Gruppe verantwortlich. Er begann seine Karriere als Unternehmensberater bei einem auf die Finanzindustrie spezialisierten Beratungsunternehmen in Deutschland, für das er im Jahr 1997 das Büro in Zürich eröffnete und leitete. Nils Ossenbrink studierte Betriebswirtschaft an der Universität Münster mit den Schwerpunkten Finanzen, Kapitalmärkte und Bankmanagement.

 

Nils Ossenbrink, was ist für Sie Erfolg?

Erfolg hat viele Dimensionen und das sollte sich auch im persönlichen Erfolgs-Portfolio widerspiegeln. Das Streben nach privater wie beruflicher Erfüllung sollte in einer gesunden Balance stehen und mit einer gewissen Gelassenheit angegangen werden. Für mich ist es unter anderem sehr wichtig, Teil einer glücklichen Familie zu sein oder mit Freunden eine sportliche Herausforderung zu bewältigen. Als Verantwortlicher für Produkte und Vertrieb bei Twelve Capital ist der Fokus natürlich ein anderer. Eines unserer zentralen Ziele besteht darin, mit dem Team Investment-Lösungen bereitzustellen und damit nachhaltig die Erwartung der Investoren zu erfüllen. In unserer kompetitiven Industrie ist dies ebenso anspruchsvoll wie essenziell.

Was war die beste Entscheidung in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Meine Karriere ist nicht durch die eine «beste» Entscheidung geprägt. Es gab sicher wegweisende Schritte, beispielsweise trotz einer ersten spannenden Station als Devisenhändler doch noch den Horizont durch ein Studium zu erweitern oder das Jobangebot anzunehmen, das mich in die Schweiz geführt hat. Prägend für meinen Weg war die Offenheit und Flexibilität für Neues. Dadurch hat sich ein sehr interessanter Karriereweg ergeben, der mich jetzt zu Twelve Capital geführt hat. Unsere unternehmerische Kultur und die ausgeprägte Kompetenz in einem fokussierten Anlagesegment sind eine exzellente Basis, um sehr entspannt über diese Frage nachzudenken.

Was treibt Sie an?

Allgemein ist es wohl die Leidenschaft, komplexe oder generell anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen – sowohl beruflich als auch privat. Aktuell beschäftige ich mich unter anderem intensiv mit der Aufgabe, die Attraktivität unserer Insurance Debt- und ILS-Anlagen noch weiter zu steigern, beispielsweise durch die vollständige Umsetzung der Prinzipien des Sustainable Investing oder durch eine noch deutlichere Ausrichtung der Produkte auf die Investorenbedürfnisse.

Was war Ihre grösste Herausforderung am Anfang Ihrer Karriere?

Im Laufe einer jetzt schon recht langen Karriere in der Finanzindustrie habe ich einige herausfordernde Situationen bewältigen dürfen. Finanzkrisen, Restrukturierungen oder die permanente Suche nach Kostensenkungspotenzial sind dabei gefühlt leider schon zum Normalzustand geworden. Insofern ist eine wesentliche Herausforderung, dies nicht als Normalität zu begreifen, die Menschen dahinter nicht zu vergessen und insbesondere darauf hinzuwirken, nachhaltige Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Die aktuelle Corona-Pandemie oder der Klimawandel zeigen sehr deutlich auf, wo dabei der Fokus zu setzen ist.

Welcher Mensch kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Wort erfolgreich hören?

Meine Antwort ist sicher eine Momentaufnahme. Im Laufe der Zeit habe ich viele erfolgreiche Menschen kennengelernt. Aktuell kommt mir als Fussballfan der Trainer vom FC Bayern München in den Sinn: Hansi Flick. Er hat es geschafft, aus einer Gruppe überdurchschnittlicher Fussballer, die vor seinem Amtsantritt nicht das volle Leistungspotenzial abrufen konnten und weder erfolgreich noch attraktiv gespielt haben, innerhalb von wenigen Monaten das aktuell beste Fussballteam in Europa zu entwickeln. Offensichtlich besitzt er neben professionellen Fähigkeiten als Trainer grosse Führungskompetenz, die jeden Einzelnen im Team besser gemacht und Einzelspieler zu einer Mannschaft geformt haben. Diese Stärken sollten auch Führungskräfte im Asset Management auszeichnen – ein Blick über den Tellerrand kann dabei helfen.

Welche Frage würden Sie Warren Buffet stellen, wenn Sie mit ihm zum Nachtessen verabredet wären?

Wenn es sich nicht um Fake News handelt, praktiziert Warren Buffet offensichtlich eine recht traditionelle Diät – viel Cola und eher «klassisch» amerikanisches Essen mit Burger, Pommes Frites und Eiscreme. Mich würde interessieren was sein Rezept ist, mit dieser doch eher ungesunden Ernährung so fit zu bleiben und ob er weiterhin die Coca Cola-Aktie einem Investment in Beyond Meat vorzieht.

Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?


Der beste Ausgleich und mein persönliches Achtsamkeits-Seminar sind meine regelmässigen Velo-Touren. Als möglicherweise einer der wenigen positiven Effekte der Corona-Krise ergaben sich durch den Lockdown für mich in diesem Jahr deutlich mehr Gelegenheiten dazu.

Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management empfehlen?


Ich habe kürzlich das Buch «Range: Why Generalists Triumph in a Specialized World» gelesen. Der Titel gibt aus meiner persönlichen Sicht die Richtung vor. Breite, Offenheit und permanente Weiterentwicklung sollten zentrale Bausteine der Ausbildung sein. Konkret würde ich heute einem Einsteiger nahelegen, neben sehr guten Kenntnissen der Finanz- und Kapitalmarkttheorie, Fähigkeiten in den Bereichen IT und Psychologie zu entwickeln – zum einen, um für die noch zunehmende Digitalisierung unserer Industrie gewappnet zu sein und zum anderen, um die Menschen in einer technologie-getriebenen Welt weiterhin als Mittelpunkt zu sehen und zu verstehen.

Meistgebrauchtes Schimpfwort?


Eine grossartige Frage. Jeder Mensch hat da sicher seine eigenen Favoriten, wagt aber nicht darüber zu sprechen – bis man sich auf dem Tennisplatz trifft… Ich möchte in diesem Zusammenhang auf zwei Bücher verweisen. Beide werden es bestimmt nicht auf die Liste für einen bekannten Buchpreis schaffen, aber sie waren in bestimmten Momenten in der Vergangenheit sehr lesenswert: «Assholes: A Theory» und «The Subtle Art of Not Giving a F*ck: A Counterintuitive Approach to Living a Good Life».

Wofür sind Sie dankbar?


Ich bin in einer privilegierten Position. Eine grossartige Familie, ein spannendes Umfeld und ein toller Job. Dies zu realisieren ist wichtig und macht die Antwort einfach: Dankbar bin ich für die umfangreichen Möglichkeiten, die unsere heutige Gesellschaft bietet, sowie für die grosse Unterstützung vieler Menschen auf dem bisherigen Lebensweg.

Welches Buch lesen Sie gerade?


Eine Empfehlung meiner Tochter: «Im Grunde gut: Eine neue Geschichte der Menschheit». Das Buch setzt sich mit dem Wesen des Menschen auseinander. Anders als in der westlichen Denktradition angenommen, ist der Mensch seinen Thesen nach nicht böse, sondern im Gegenteil: von Grund auf gut. Und geht man von dieser Prämisse aus, ist es möglich, die Welt und den Menschen in ihr komplett neu und grundoptimistisch zu denken. Ein guter Ansatz für unsere Zeit.

Wenn Sie ein Land aussuchen dürften: wo würden Sie am liebsten Leben und wieso?


Es war nicht das Ergebnis strategischer Planung, das meine Frau und mich vor 23 Jahren in die Schweiz gebracht hat. Es war allerdings eine sehr gute Entscheidung. Insofern haben wir uns schon das Land ausgesucht. Die Schweiz ist sehr vielfältig und besitzt basierend auf traditionellen Werten viel Innovationskraft. Beruflich und privat fühlt sich das richtig an.