Stefan Angele

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«Es gibt gute Gründe, weshalb die Frontscheibe grösser ist als der Rückspiegel.»

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Stefan Angele
Leiter Asset Management, Luzerner Kantonalbank

Stefan Angele leitet seit 2018 das Asset Management der Luzerner Kantonalbank. Er fungiert zugleich auch als Verwaltungsratspräsident der LUKB Expert Fondsleitung AG. Der studierte Ökonom ist seit über 25 Jahren im Asset Management tätig, unter anderem war er in Geschäftsleitungsfunktionen bei GAM und Julius Bär Asset Management sowie in leitenden Funktionen bei der Zürcher Kantonalbank.

 

Stefan Angele, was ist für Sie Erfolg?

Erfolg hat für mich zwei wesentliche Dimensionen: erstens der Umgang mit der aktuellen Situation – auch Realität genannt – und zweitens die Vorbereitung auf die Zukunft. Für mich bedeutet Erfolg daher einerseits, in der jeweiligen Situation mit den verfügbaren Mitteln und Möglichkeiten das Bestmögliche erreicht zu haben. Oder prägnanter formuliert: Erfolg bedeutet für mich, nicht an der Realität gescheitert zu sein. In der zweiten Dimension dominiert der Umgang mit Unbekannten, das Antizipieren von Entwicklungen und Veränderungen. Hier bedeutet Erfolg für mich, rechtzeitig die Weichen gestellt und zukunftsweisende Entscheidungen korrekt getroffen zu haben. In Anlehnung an die Eishockey-Legende Wayne Gretzky heisst dies «dorthin zu laufen, wo der Puck sein wird, und nicht dorthin, wo er war.». Hier schliesst sich für mich der Kreis. Denn wenn dies einigermassen gelingt, fällt es auch einfacher, in der Zukunft mit der Realität besser klar zu kommen.

Was treibt Sie an?

Mein Antrieb besteht darin, vorhandenes Wissen, Erfahrungen und Technologien nicht einfach «anzuwenden», sondern so zu kombinieren, dass daraus etwas Neues, etwas Interessantes und etwas Zukunftsfähiges entsteht. Nur so kann qualitativer Fortschritt gelingen. Dies gilt gerade auch im Asset Management, wo es nicht ausreicht, sich auf vergangenen Lorbeeren auszuruhen, sondern wo es darauf ankommt, die Zukunft zu antizipieren und dafür geeignete Antworten sowie funktionierende Lösungen zu entwickeln.

Auf welchen Werten beruhen Ihre täglichen Handlungen, Entscheidungen, Pläne?

Obwohl ich mich als neugierigen, weltoffenen und flexiblen Menschen bezeichnen würde, gibt es doch Grundsätze und Wertvorstellungen, die für mich sowohl beruflich als auch im privaten Leben einen hohen Stellenwert geniessen und nicht verhandelbar sind: Ehrlichkeit, Transparenz und Verlässlichkeit sind für mich notwendige Voraussetzungen für Vertrauen, welches aus meiner Sicht ein tragendes Element für gesunde zwischenmenschliche Beziehungen ist und damit Basis für jegliche Form von konstruktiven Problemlösungen.

Welche Leitsätze/Führungsprinzipen verfolgen Sie?

Für mein Führungsverständnis ist die Einsicht zentral, dass jede/jeder meiner Mitarbeitenden in vielen spezifischen Belangen besser ist, als ich es in diesen Bereichen je sein werde. Genau deshalb brauche ich sie in meinem Team. Oder in den Worten von Steve Jobs etwas zugespitzt ausgedrückt: «Es macht keinen Sinn, kluge Leute einzustellen und ihnen dann zu sagen, was sie tun sollen. Ich stelle kluge Leute ein, damit sie mir/uns sagen können, was wir tun sollen.» Meine Rolle sehe ich insbesondere darin, ein Umfeld und Rahmenbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, das vorhandene Knowhow und die individuellen Fähigkeiten so zu orchestrieren und zu bündeln, dass in der Summe das beste Ergebnis entstehen kann. Dazu gehört auch, störende Faktoren zu eliminieren. In einem gut funktionierenden Team ist das gemeinsam erzielte Ergebnis dann grösser als die Summe der Einzelteile.

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spass, was am wenigsten?

Seit mehr als 25 Jahren fesselt es mich, immer wieder neue Lösungen für immer wieder neue Herausforderungen zu suchen. Der Umgang mit Unsicherheit und permanenter Veränderung ist es, weshalb ich mich für eine Tätigkeit im Asset Management entschieden habe. Dies bereitet mir noch immer sehr viel Spass – genauso wie der tägliche Austausch und die Gespräche mit analytisch denkenden, interessanten Mitmenschen, die ich als echte Bereicherung für mich sehe. Aber selbstverständlich gibt es auch Schattenseiten, die mich ab und zu ärgern. Wenn beispielsweise interessante Ideen aufgrund von nicht-vorhandenen Ressourcen oder anderen Prioritäten nicht umgesetzt werden können. Aber das lässt sich natürlich niemals vermeiden, ebenso wenig wie der berühmt-berüchtigte Dunning-Kruger-Effekt.

Welche Ziele verfolgen Sie – beruflich wie privat?

Mein übergeordnetes Ziel besteht darin, gute Entscheidungen zu treffen – dies sowohl im Privaten als auch im Beruf. Dazu versuche ich die Menschen, die Wirtschaft, die Welt und was sie bewegt jeden Tag noch ein bisschen besser zu verstehen. Das hilft mir, Entwicklungen einzuordnen sowie zu antizipieren, was noch kommen könnte. Und das führt wiederum zu besseren Entscheidungen.

Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

Wenn ich meiner Kreativität beim Fotografieren oder Filmen in der Natur und später dann bei der digitalen Nachbearbeitung oder beim Filmschnitt am PC freien Lauf lassen kann. Hier gilt für mich «der Weg ist das Ziel».

Bestes Anti-Depressivum?

Eigentlich komme ich auch ohne Anti-Depressivum ganz gut durchs Leben, aber ja, ein gemeinsames Essen – im Idealfall selbst gekocht – mit guten Freunden bei einem guten Glas Wein und interessanten Gesprächen hat diese Wirkung. Die anti-depressive Wirkung kann zudem dadurch gesteigert werden, wenn diese Freunde aus einem völlig anderen beruflichen Umfeld kommen.

Was machen Sie während einer Kurzreise?

Wenn immer möglich, nutze ich die Zeit zum Nachdenken. Diese Tätigkeit von essenzieller Bedeutung – gerade auch im Asset Management oder in Führungsfunktionen –, kommt im Alltag jedoch leider manchmal zu kurz, sei es wegen eines vollen Terminkalenders oder eines Überangebots an Ablenkung.

Welches Buch lesen Sie gerade?

«Factfulness» von Hans Rosling. Er thematisiert in diesem Buch anschaulich den menschlichen Hang zu einer dramatisierenden Weltsicht, die oftmals nicht den Fakten entspricht und somit auch nicht unbedingt die Realität widerspiegelt. Das Phänomen ist gerade in der heutigen Zeit wieder brandaktuell.

Wie oft schauen Sie täglich auf Ihr Handy?

Mein Smartphone ist für mich inzwischen bei praktisch allen beruflichen und privaten Aktivitäten zum unverzichtbaren Begleiter geworden; entsprechend häufig benutze ich es. Es ist ein Sinnbild für die rasch zunehmende Digitalisierung der Gesellschaft mit allen ihren Möglichkeiten, aber auch Gefahren, die sich daraus ergeben.

Welches Hintergrundbild haben Sie auf Ihrem Mobiltelefon?

Eine Nahaufnahme eines Moschusochsen, den ich im norwegischen Dovrefjell-Nationalpark fotografiert habe. Seine urtümliche, wilde und stolze Ausstrahlung sowie seine Widerstandsfähigkeit gegen Wind und Wetter sind immer wieder inspirierend.