"Ein Asset Manager hat nur zwei Optionen: billiges Beta oder aktives Qualitätsmanagement"

EDR Christophe Caspar

Christophe Caspar
CEO Edmond de Rothschild Asset Management

Christophe Caspar trat im November 2018 in die Edmond de Rothschild Gruppe ein und war als stellvertretender CEO des Asset Management für die Investmentaktivitäten der Gruppe verantwortlich. Im März 2019 wurde er zum Leiter der Vermögensverwaltung der Gruppe ernannt. Vor seinem Eintritt in die Edmond de Rothschild Gruppe war Christophe Caspar Head of Investments bei Pictet Wealth Management. Christophe verfügt über umfassende Erfahrung in der Vermögensverwaltung, die er in siebzehn Jahren bei Russell Investments und drei Jahren bei Flemings Asset Management zu Beginn seiner Karriere gesammelt hat. Von 1999 bis 2016 hatte er verschiedene Positionen bei Russell Investments inne, unter anderem als CIO für den japanischen Markt, später als CIO für die gesamte Region Asien-Pazifik. Im Jahr 2009 wurde er zum Global CIO Multi-Assets ernannt, gleichzeitig hatte er die Funktion des CIO EMEA inne. Christophe Caspar ist CFA Charterholder und hat einen Msc in Management von der ESC Reims und einen Postgraduiertenabschluss von der Royal Holloway der Universität London.

 

Herr Caspar, was sind aus Ihrer Sicht die treibenden Kräfte für eine florierende Asset-Management-Branche in der Schweiz?

Die Schweiz ist seit langem die Heimat anspruchsvoller Anleger aus aller Welt. Um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, musste das Land einen hohen Standard an Fachwissen in der Verwaltung von Vermögenswerten und der Entwicklung von Anlagelösungen entwickeln. Auch die günstige Regulierung trägt dazu bei, dass die Schweiz für viele Asset Manager ein bevorzugter Standort bleibt. Die Sicherstellung ihrer internationalen Reichweite wird der Branche in der Schweiz helfen, ihre Position in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt zu behaupten. Da die Schweiz auch ein führender Standort für das Private Banking ist, ergibt sich eine starke Synergie mit den Aktivitäten im Asset Management. Ich lebe seit mehreren Jahren in der Schweiz und bin immer wieder beeindruckt von der Dynamik dieses Marktes und seiner Komplexität. Talent, Know-how, Innovation und eine günstige Regulierung sind Trümpfe für diesen Markt, der neben Frankreich und Deutschland zu unseren Schlüsselmärkten gehört.

Neben ESG und Nachhaltigkeit: Welches sind die wichtigsten Entwicklungen im Schweizer Asset Management und seinem Angebot?


ESG ist in den letzten Jahren in der Tat wichtig geworden, und ich möchte zwei wichtige Entwicklungsbereiche erwähnen: private Märkte und aktives Management.
In der Schweiz, aber auch ganz allgemein in Europa, beobachten wir ein zunehmendes Interesse an privaten Märkten. Private Märkte ermöglichen es den Anlegern, sich langfristig zu positionieren und sich vor plötzlichen Reaktionen auf Marktereignisse zu schützen. Unsere Stärke liegt darin, dass wir die Bedeutung der privaten Märkte vorausgesehen haben und unseren Kunden daher Lösungen mit einer beachtlichen Erfolgsbilanz anbieten können, die Private Equity, Immobilien (Fremd- und Eigenkapital) und Infrastruktur-Kredite abdecken. Investitionen in private Märkte sind Teil der DNA der Familie, was sich in dem echten Unternehmergeist der Gruppe widerspiegelt. Diese Entscheidung ist nicht das Ergebnis einer Inflation, einer Finanzkrise oder eines neuen Trends, sondern entspringt dem Wunsch, langfristige Performance und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen - und das schon seit über zehn Jahren. Darüber hinaus stärken das komplexe Umfeld und die gestiegene Nachfrage nach Nachhaltigkeit das aktive Management. Ein Vermögensverwalter hat nur noch zwei echte Optionen: billiges Beta oder echtes aktives Qualitätsmanagement mit eigenem Research und starken Überzeugungen. Wir haben uns für Letzteres entschieden. Das Anlageangebot von Edmond de Rothschild ist auf Anlagethemen spezialisiert, die auf Überzeugung beruhen und dazu beitragen, aktuelle ökologische und soziale Herausforderungen zu bewältigen und gleichzeitig einen langfristigen Mehrwert für unsere Kunden zu erzielen.

Wo sehen Sie das grösste Verbesserungspotenzial für die Schweizer Vermögensverwaltungsbranche als Ganzes, um wettbewerbsfähiger zu werden?

Die Schweiz war schon immer ein führender europäischer Standort für die Vermögensverwaltung. Die pragmatische Herangehensweise des Landes an die Herausforderungen der letzten zwei Jahre, die zumindest im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nur begrenzte Einschränkungen mit sich brachten, hat dazu beigetragen, dass die Schweiz ihre Position als Wirtschaftsstandort, insbesondere für Asset Manager, stärken konnte. Eine wesentliche Stärke der Schweizer Asset-Management-Branche sind traditionell die Strategien der privaten Märkte. Mit einem ausgewogenen Angebot an liquiden und illiquiden Strategien kann die Branche in Zukunft am besten auf dynamische Marktbedingungen reagieren. Eine grosse Chance liegt für die Branche darin, die Expertise in nachhaltigen Anlagen zu fördern und weiter auszubauen.

Der Begriff Innovation umfasst ein weites Feld: Wie würden Sie Innovation für Ihre Aktivitäten bei Edmond de Rothschild definieren?


Innovation liegt in unserer DNA. Sie ist der Eckpfeiler und die treibende Kraft unserer Gruppe. Wir suchen stets nach innovativen Lösungen, um den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Anleger zu begegnen. Bereits 1985 haben wir unseren ersten thematischen Aktienfonds zum Thema Gesundheit aufgelegt. Auch im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere haben wir vor mehr als 20 Jahren verschiedene Strategien aufgelegt und uns damit als Pionier im Bereich der Hochzins- und Wandelanleihen etabliert. Das stellen wir in diesem Jahr erneut unter Beweis. Schon bald werden wir eine innovative Anlagelösung für physisches Gold und zwei neue europäische Aktienstrategien anbieten. Ausserdem legen wir einen Fonds auf dem Metaverse für den spanischen Markt auf. Auch im Bereich Private Markets stehen wir an der Spitze der Innovation. Wir entwickeln ständig Strategien, die konkrete Lösungen für eine Welt im Wandel bieten: von der Lebensmitteltechnologie und -sicherheit über Investitionen in Familien-KMU in Afrika bis hin zur Finanzierung von erschwinglichem Wohnraum, grüner Infrastruktur in Europa, Bodensanierung oder der Kreislaufwirtschaft. Unser Angebot wird ständig erneuert.

Sehen Sie Unterschiede zwischen der Kultur der Asset Manager in Genf und in Zürich?


Was die Agenda im Asset Management antreibt, sind immer die Anforderungen der Anleger. Die Investorenlandschaft, die typischerweise von Zürich aus abgedeckt wird, wird von einigen der grössten Akteure des Landes dominiert. Auf der Wholesale-Seite bedeutet dies, dass die Strategien für die Integration in Retail-Produkte geeignet sein müssen. Genf hingegen ist durch eine breite Basis von Family Offices und Privatbanken gekennzeichnet. Letztlich suchen alle Anleger - einschliesslich der Pensionskassen - nach den gleichen Dingen: innovative Lösungen, starke Überzeugungen und langfristige Werte.

Wie gehen Sie mit den Herausforderungen bei der Rekrutierung in der Schweiz um?


Wir haben eine Kultur der Exzellenz, Offenheit, Innovation und Unabhängigkeit. Dies sind wesentliche Kriterien, um die besten Talente zu gewinnen. Auch die Stärke unserer Marke ist ein unbestreitbarer Vorteil. Unser Schweizer Vertriebsteam hat in letzter Zeit mehrere neue Mitarbeiter angezogen. Birgit Haas wurde vor einem Jahr zur Leiterin des Vertriebs Schweiz ernannt. Zuvor war sie bei GSAM tätig. Sie leitet die Asset Management-Vertriebsteams in der Schweiz und ist für die Entwicklung unseres Geschäfts in den Segmenten Institutional, Distribution und Multi-Family Office verantwortlich. Vor kurzem haben Dominik Horngacher und Laura Bourcier das Verkaufsteam in Zürich und Genf verstärkt. Ihre Erfahrung im Finanzsektor und ihr fundiertes Wissen über Anlagestrategien sind wichtige Voraussetzungen für die Stärkung der Kundenbeziehungen.

Sie sind CEO von Edmond de Rothschild Asset Management: Worauf konzentrieren Sie sich bei Ihrer täglichen Arbeit?


Als CEO ist es meine Aufgabe, uns auf Erfolgskurs zu bringen und sicherzustellen, dass alle auf dieses gemeinsame Ziel hinarbeiten. Jeden Tag treffe ich mich mit talentierten Mitarbeitern aus verschiedenen Geschäftsbereichen und Kunden in verschiedenen Ländern, um ihre Bedürfnisse zu verstehen und die Vision der Gruppe zu vermitteln. Es ist mir wichtig, mich regelmässig mit unseren Mitarbeitern zu treffen, um ihren Alltag zu verstehen und meine Strategie mit ihnen zu teilen. Ich bin auch Mitglied des Group Executive Committee, was mir die Möglichkeit gibt, meine Vision von Asset Management mit den Mitgliedern des Executive Committee zu teilen.

Wo finden Sie nach einem anstrengenden Arbeitstag einen Ort, an dem Sie abschalten können?

Im Winter fahre ich gerne in den kleinen Skiort La Tzoumaz im Wallis. Im Sommer liebe ich es, die verschiedenen Meere und Ozeane der Welt zu befahren.