Kopf des Monats

«Wer stehen bleibt, hat schon verloren»

Po M Bellecapital Christian Kuersteiner

Christian Kürsteiner
Leiter Asset Management, Bellecapital, Zürich

Christian Kürsteiner leitet das Asset Management von Bellecapital, einem Vermögensverwalter und Asset Manager mit 3.5 Mrd. CHF an Vermögenswerten und 41 Mitarbeitern in Zürich und London. Er ist überdies für die Akquise und Betreuung institutioneller Kunden zuständig. Davor baute Christian Kürsteiner das Portfolio Management der SEC-registrierten Einheit von Bellecapital auf und hielt diverse Verkaufspositionen bei der Investment Bank von Barclays in London und Zürich inne. Er engagiert sich zudem stark für junge Studierende, indem er jährlich ein Sommer-praktikum bei Bellecapital organisiert und als Mentor für Studierende aktiv ist.

 

Christian Kürsteiner, was war die beste Entscheidung in Ihrer beruflichen Laufbahn?
Immer offen für Veränderungen zu sein. Wer stehen bleibt, hat schon verloren. Beispielsweise haben mir die Partner von Bellecapital immer wieder neue Herausforderungen offeriert, denen ich mich gerne gestellt habe. So startete ich beim Unternehmen mit dem Aufbau und der Leitung des Portfolio Managements bei der SEC-registrierten Einheit für US-Kunden. Nach der Akquisition von GL Funds und dem gleichbedeutenden Einstieg von Bellecapital ins Asset Management 2016 durfte ich mit dem Team die übernommene Gesellschaft integrieren und umstrukturieren und bin nun für deren Auf- und Ausbau verantwortlich. Meine Offenheit für Veränderungen hat mir ermöglicht, in jeder Phase meiner Laufbahn enorm viel Neues zu lernen und mich ständig weiterzuentwickeln.


Was treibt Sie an?

Die Leidenschaft für das, was ich tue und mein Ehrgeiz, das Beste aus meinem Leben machen zu wollen. Dabei sind der Leistungsgedanke und die Selbstverantwortung fest in mir verankert. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Ich versuche deshalb aus jeder Situation das Beste zu machen. Als etwa 2012 eine Entlassungsrunde meiner Zeit bei Barclays ein Ende gesetzt hatte, habe ich dieses Ereignis bewusst als Chance für eine persönliche Standortbestimmung genommen, meine Batterien aufgetankt, mein Spanisch in einem einmonatigen Aufenthalt in Cadiz verbessert und temporär bei ein paar M&A Projekten eines Projektentwicklers für alternative Energien in Deutschland mitgearbeitet. Anfang 2014 habe ich dann bei Bellecapital angefangen.


Welcher Mensch kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Wort erfolgreich hören?

Im ersten Moment mögen mir hier Menschen wie Roger Federer oder Warren Buffett einfallen – ich bin aber überzeugt, dass Erfolg zu haben bedeutet, dass man in jeder Lebenslage alles gibt, um das bestmögliche Resultat zu erzielen. Wenn man sich sicher ist, dass man sein Bestes gegeben hat, erreicht man Zufriedenheit und man ist mit sich selbst im Reinen. Selbst dann, wenn aufgrund von exogenen, nicht beeinflussbaren Faktoren nicht alle Resultate (vollständig) den Erwartungen entsprechen. Alle Menschen, die nach diesem Prinzip leben, sind für mich erfolgreich.


Welche Leitsätze/Führungsprinzipen verfolgen Sie?

Unsere Daseinsberechtigung als Asset Manager liegt im Mehrwert, den wir unseren Kunden bieten. Um diesen Mehrwert zu schaffen, müssen wir neue und frische Ideen umsetzen und Dienstleistungen in Top-Qualität erbringen. Das setzt voraus, dass jeder im Team – vom PM über das zum Middle Office bis hin zum Sales – sein Potenzial vollständig abruft, seine Verantwortung und Rolle wahrnimmt, sich mit spannenden Ideen einbringt, andern offen zuhört und bereit ist, sich weiterzuentwickeln. Wichtig ist für mich eine positive «Can Do»-Einstellung – Probleme sind da, um gelöst zu werden.


Was hat Sie dazu bewegt, das zu tun, was Sie heute tun?

Als kleiner Junge habe ich Panini-Bilder der Fussball-WM 1990 in Italien gesammelt und auf dem Pausenhof mit den Kameraden gefeilscht, um fehlende Spieler im Gegenzug für doppelte Spieler zu bekommen. Diese ökonomischen Interaktionen faszinieren mich bis heute: Wie kann ich eine Win-Win-Situation kreieren, so dass es zum Abschluss der Transaktion kommt?


Welche Probleme sollten Politik und Behörden rasch angehen?

Die finanzielle Allgemeinbildung sollte deutlich verbessert werden, damit die Menschen bessere finanzielle Entscheidungen fällen können. Finanzthemen wie der Zinseszins, das Ausfüllen der Steuerrechnung, die Haushaltsbudget-Erstellung und die Vorsorge sollten präsenter in den Stundenplan integriert werden, am besten schon in der Primarschule. Mit diesem Wissen wären junge Leute beispielsweise viel besser in der Lage, sich in die Diskussion um die nachhaltige Aufstellung von AHV und Pensionskassen einbringen.


Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

Ich verbringe Zeit mit meiner Familie und Freunden, gehe joggen oder Tennis spielen, lese Bücher aus allen möglichen Genres und geniesse das Kochen und Essen – gerne auch mit einem Glas Wein. Und beim Reisen, was hoffentlich bald wieder möglich sein wird. Wichtig ist für mich aber auch das süsse Nichtstun, damit ich meinen Gedanken einfach mal freien Lauf lassen kann.


Auf was könnten Sie in Ihrem Leben nicht verzichten?

Nebst der Gesundheit auf die sozialen Interaktionen mit anderen Menschen.


Was würden Sie heute einem Berufseinsteiger im Asset Management empfehlen?

Die Mehrheit der Empfehlungen lehnt sich an die vorher gemachten Aussagen an. Verfolge deine Leidenschaft, gib immer dein Bestes, sei lernbereit und offen für Veränderungen und Opportunitäten – am besten da, wo die Konkurrenz klein ist. Ausserdem gilt es sich zu entscheiden, ob man Spezialist oder Generalist werden möchte. Dabei ist meines Erachtens das eine nicht schlechter als das andere, sondern hängt vom Individuum ab.


Wie heisst Ihr liebstes Reiseziel?

Ich reise für mein Leben gerne und freue mich immer wieder, neue Orte zu entdecken und mit andern Menschen und Kulturen in Kontakt zu kommen. Wenn ich mich nun aber für ein einziges liebstes Ziel entscheiden müsste, dann würde ich New York wählen. Diese pulsierende und multikulturelle Stadt mit ihren Wolkenkratzern, dem riesigen Central Park und den extrem unterschiedlichen Stadtbezirken hat mich seit meinem allerersten Besuch in ihren Bann gezogen. Wo ich in meinem Leben unbedingt einmal noch hinmöchte, ist an die Ostküste Australiens, mitunter auch deshalb, um das toll gemachte Opernhaus von Sydney anzusehen und um die Australian Open zu besuchen; das einzige Grand Slam Tennis Turnier, an dem ich noch nie war.


Welche Kindheitserinnerung hat Sie besonders geprägt?

Mein Austauschjahr in Kanada während des Gymnasiums. Dieses Abenteuer erlaubte mir, mich das erste Mal ohne Eltern in einem neuen Land mit anderer Kultur und Mentalität zurechtzufinden, neue Freundschaften zu knüpfen und mich in die dortige Gesellschaft einzugliedern. Der Kontakt zu meiner ehemaligen Gastfamilie und meinen besten Freunden besteht bis heute und von den dort gemachten Erfahrungen und Einsichten profitiere ich noch immer.


Welcher berühmten Persönlichkeit würden Sie gerne einmal begegnen?

Ich würde mich gerne mal mit Peter Thiel unterhalten, dem Gründer von Paypal und frühen Investor von Facebook. Seine unabhängige Denkweise finde ich sehr spannend; von seinen Erfahrungen kann man viel lernen.