Kopf des Monats

Unigestion – das Rennen meines Lebens

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Régis Martin
Stellvertretender CEO der Unigestion-Gruppe, Genf

Régis Martin ist stellvertretender CEO der Unigestion-Gruppe. Die unabhängige Vermögensverwaltungsgesellschaft offeriert Investoren weltweit innovative und massgeschneiderte Lösungen aus den Bereichen Private Equity, Aktien und liquide alternative Anlagen. Verwaltet werden derzeit über 20 Mrd. CHF an Assets. Unigestion hat seinen Hauptsitz in Genf und verfügt über eine globale Präsenz in Europa, Nordamerika und Asien. Seit 2018 ist Régis Martin zudem auch Vorsitzender des Alternative Investment Councils, eines Fachgremiums der Asset Management Association Switzerland. Die Gruppe aus Fachleuten hat das Ziel, alternative Anlagen in der Schweiz zu fördern – etwa durch Konferenzen, Medienauftritte oder Gespräche mit Behörden und ausländischen Verbänden.

 

Régis Martin, was war die beste Entscheidung in Ihrer beruflichen Laufbahn?
Die Unigestion nie verlassen zu haben! Aber das wird mir erst jetzt bewusst, wenn ich diese Frage beantworte, denn ich kann mich nicht erinnern, jemals daran gedacht zu haben, dieses Unternehmen zu verlassen, für das ich mittlerweile 27 Jahre arbeite.

Was treibt Sie an?
Ich mag es, Dinge zu verwirklichen, Projekte durch konkretes Mitwirken zu realisieren oder Probleme zu lösen, die manchmal komplex sind. Ich mag es, mich mit mehreren Situationen gleichzeitig zu befassen und von einem Thema zum anderen zu wechseln, während ich so gut wie möglich für alle verfügbar bin, die es möchten. Gerne höre ich zu, tausche mich aus und teile Erfahrungen oder Ideen – dies wenn möglich in Gruppen. Das ist zum Beispiel bei unseren regelmässigen Treffen mit den Mitgliedern des Alternative Investment Councils der Fall. Denn es gibt immer etwas zu lernen, wenn man versucht, ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Was war Ihre grösste Herausforderung am Anfang Ihrer Karriere?

Das war wohl der Verantwortung gerecht zu werden, die mir als sehr jungem CFO mit wenig Erfahrung im Fondsgeschäft übertragen wurde. Zu Beginn wusste ich auch nicht genau, wie man etwas delegiert, da ich bis dato immer gut wusste, was zu tun war und es folglich immer gleich selbst umgesetzt hatte. Etwas selber zu tun, schien mir einfacher – zumindest bis zu jenem Tag, an dem ich erkannte, dass ich mich mit Leuten umgeben musste, die noch besser waren als ich. So konnte ich mich weiterentwickeln und noch mehr Bereiche der Vermögensverwaltung entdecken.

Welcher Mensch kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Wort erfolgreich hören?

Ich persönlich glaube nicht an den individuellen Erfolg in der Geschäftswelt. Man kann dank seiner Erfahrung, seines Wissens oder seiner Arbeitsleistung sehr erfolgreich sein bei der Ausführung von Aufgaben, aber der Erfolg gelingt häufiger mit einem Team oder mit jemandem, mit dem man Ideen austauschen konnte, um möglichst abgeklärte Entscheidungen zu treffen. Ich sage stets, dass man viel besser mit anderen zusammen denken und richtige Entscheidungen treffen kann – erst recht, wenn man mit diesen Menschen schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet, so wie ich mit Bernard Sabrier und Fiona Frick.

Auf welchen Werten beruhen Ihre täglichen Handlungen, Entscheidungen, Pläne?

Auf harter Arbeit, Beharrlichkeit, Vertrauen und Loyalität. Ich verlasse mich stark auf Erfahrung und gesunden Menschenverstand. Ich versuche mich immer zu fragen, ob eine bestimmte Handlung oder Entscheidung gut für das Unternehmen ist. Wenn ich irgendwelche Zweifel habe, zögere ich nicht, mich beraten zu lassen.

Was hat Sie dazu bewegt, das zu tun, was Sie heute tun?

Es ist eher eine Frage der Umstände. Ich hatte das Glück, in ein Unternehmen einzutreten, das sich im Zuge von Finanzkrisen und Veränderungen in der Vermögensverwaltung mehrfach weiterentwickelt und neu erfunden hat. Ich gewann recht schnell das Vertrauen des Gründers und konnte so an den meisten dieser Veränderungen mitwirken oder sie sogar leiten. Es war immer sehr motivierend, in Bewegung zu sein. Es ist ein bisschen wie bei einem Marathonlauf: Man hat trainiert und das Rennen müsste eigentlich gut verlaufen – aber es gibt immer unvorhergesehene Umstände, mit denen man umgehen muss.

Wo finden Sie in Ihrer Freizeit den Ausgleich?

Im Sport. Zunächst habe ich mehr als zwanzig Jahre lang fleissig Golf gespielt und es bis auf Handicap 6 gebracht. Dann wandte ich mich dem Ausdauersport zu, für den ich nun bereits seit mehr als sechs Jahren vier bis fünf Mal pro Woche trainiere. Ich bin schon acht Marathons gelaufen und in den letzten zwei Jahren habe ich sogar für Triathlons trainiert. Ich kann hier gerne verraten, dass es nicht einfach war, mit 50 Jahren schwimmen zu lernen!

Auf was könnten Sie in Ihrem Leben nicht verzichten?

Auf meine Familie. Ich habe eine Frau und zwei Kinder, die mich motivieren, abends nach Hause zu kommen und am Wochenende sowie in den Ferien abzuschalten. Wichtig ist mir aber auch, mich selbst zum Leistungssport herauszufordern. Dieser «kleine» Stress ist beim Start meist gefürchtet, zeigt aber gleichzeitig, dass nichts einfach so vorhanden ist und man nicht locker lassen darf, besonders wenn hart trainiert wurde. Ein guter Score am Ende des 18. Lochs oder eine gute Zeit beim Überqueren der Ziellinie vermitteln sehr erhebende Gefühle.

Wofür sind Sie dankbar?

Bei guter Gesundheit zu sein, ebenso wie meine Lieben. Ich habe mich ein paar Mal verletzt – natürlich waren es Sportunfälle –, aber insgesamt bin ich ziemlich verschont geblieben. Ich habe auch das grosse Glück, seit meinen Jahren an der Universität treue Freunde zu haben. Wir haben den Kontakt nie verloren und die Nähe zwischen uns ist unbezahlbar.

Welche Kindheitserinnerung hat Sie besonders geprägt?

Als ich 14 war, kam mein Vater eines Tages mit einem PC nach Hause. Es war ein Commodore VIC-20, der an den Fernseher angeschlossen wurde. Von diesem Tag an bis etwa zu 18. Lebensjahr weiss ich nicht, wie viele Nächte ich mit dem Programmieren von Computern verbracht habe. Es war eine fantastische, aber auch zeitraubende Leidenschaft. Dadurch wäre ich in der Schule fast durchgefallen und meine Eltern waren sehr besorgt. Es hörte ein paar Jahre später aber von selbst auf, als ich mich entschied, nicht an der EPFL Informatik zu studieren, sondern an der HEC Lausanne. Ich werde Ihnen nicht verraten, warum ich meine Meinung in letzter Minute geändert habe, aber der Grund war eher belanglos...

Bestes Anti-Depressivum?

Ein Blick in die Landschaft – vor allem, wenn sie schön, ja spektakulär ist. Ich liebe es, in die Ferne zu schweifen und versuche immer, das Gesehene in Fotos zu verewigen. Leider bin ich oft vom Ergebnis enttäuscht, da es schwierig ist, die Emotionen einzufangen, welche eine schöne Landschaft auslöst. Das Ganze wirkt aber immer sehr entspannend.

Was machen Sie während einer Kurzreise?

Nachdem ich meine Arbeits-Mails gelesen und ein paar Telefonate geführt habe, stürze ich mich auf Twitter, Instagram und Strava. Ich folge vor allem Sportlern oder Medien, die über jene Sportarten sprechen, die ich selber betreibe. Websites aus dem beruflichem Bereich besuche ich in diesen Momenten eher weniger. Vielleicht checke ich noch LinkedIn, aber das ist weitaus weniger spannend.